
Mehrwährungs-Lohnbuchhaltung aus der Schweiz: Mitarbeitende in ihrer Währung bezahlen, ohne ein Risiko einzugehen
Lesezeit: 18 Minuten | Aktualisiert:
Von Brice DELHOME
- Die Zahlung in einer anderen Währung als dem Franken ist zulässig. Das Bundesgericht schreibt, die Parteien könnten dies « unbestreitbar » vereinbaren. Die Regel von Artikel 323b Absatz 1 des Obligationenrechts ist nicht zwingend.
- Sanktioniert wird das Ergebnis. Eine Umrechnungsklausel, die den Mitarbeitenden weniger einbrachte als den in Franken bezahlten Kolleginnen und Kollegen, wurde für nichtig erklärt: mittelbare Diskriminierung aufgrund des Wohnsitzes. Der Arbeitgeber musste 18'881 Franken nachzahlen.
- Die Unterschrift schützt nicht. Die Rechte aus dem Freizügigkeitsabkommen sind zwingend: darauf kann nicht verzichtet werden, und der unterzeichnete Nachtrag wird zum Beweisstück statt zum Schutzschild.
- Eine Frage bestimmt alles Weitere: wo wird die Arbeit geleistet? In der Schweiz bleiben Lohnbuchhaltung und Beiträge in Franken, und der kantonale Mindestlohn gilt nach der Umrechnung. Aus dem Ausland gelten jenseits der Schwellen das Regime und der Mindestlohn des Wohnsitzstaates.
- Die nüchternste Variante ist, gar nicht umzurechnen: Franken auf eine Schweizer IBAN im Namen der Mitarbeitenden zahlen und sie umrechnen lassen. Keine Klausel zu unterzeichnen, keine Schwelle bei jeder Kursbewegung zu überwachen.
Inhalt dieses Leitfadens:
- 🎯 1. Warum ein Schweizer Unternehmen in einer anderen Währung zahlt
- ⚖️ 2. Ist das überhaupt erlaubt?
- 💥 3. Warum musste ein Unternehmen dann 18'881 Franken zahlen?
- 📍 4. Wo arbeiten Ihre Mitarbeitenden wirklich?
- 📏 5. Welcher Mindestlohn, und zu welchem Kurs?
- ⚠️ 6. Wer trägt das Währungsrisiko?
- 🧭 7. Die vier möglichen Modelle und ihre Folgen
- ✅ 8. Die HR-Checkliste zur Konformität
- ❓ 9. Häufige Fragen
Ein Schweizer Unternehmen, das über die Landesgrenzen hinaus beschäftigt, steht am Ende immer vor derselben Frage: Soll der Lohn in Franken oder in der Währung ausbezahlt werden, in der die Mitarbeitenden leben? Das wirkt administrativ. Es ist es nicht: eine schlecht kalibrierte Umrechnungsklausel hat bereits zu einer Verurteilung zur Nachzahlung von Lohn geführt, und die schriftliche Zustimmung der Mitarbeitenden hat daran nichts geändert. Dieser Leitfaden trennt, was das Recht erlaubt, von dem, was es sanktioniert, und vergleicht anschliessend die vier Modelle, die es tatsächlich gibt.
1. Warum ein Schweizer Unternehmen in einer anderen Währung zahlt
Es ist fast nie eine Bequemlichkeitsentscheidung. Drei Situationen führen dorthin, und sie verlangen nicht dieselben Antworten.
Attraktivität und Bindung
Wer in Franken bezahlt wird und im Euroraum lebt, trägt zwei Abzüge, die auf keiner Lohnabrechnung stehen: die Gebühren des eigenen Anbieters bei Eingang und die Differenz zwischen dem Marktkurs und dem angewandten Kurs. Bei einem Nettolohn von 5'000 Franken kostet jeder Prozentpunkt dieser Differenz 50 Franken pro Monat, also 600 Franken pro Jahr; über ein Berufsleben mehrere tausend Franken. Wer diese Reibung als Arbeitgeber auffängt oder beseitigt, bietet einen realen, sofort spürbaren Vorteil, der ohne Lohnerhöhung auskommt.
Lokale Konformität
Sobald die Arbeit im Ausland geleistet wird, kann der Wohnsitzstaat die sozialversicherungsrechtliche Unterstellung, seine eigenen Lohnvorschriften und seinen eigenen, in seiner Währung ausgedrückten Mindestlohn beanspruchen. Die Währung ist dann keine kommerzielle Geste mehr: sie folgt aus dem anwendbaren Regime. Das ist der am häufigsten falsch eingeordnete Fall, und Abschnitt 4 ist ihm gewidmet.
Operative Vereinfachung
Statt in jedem Land eine Gesellschaft zu gründen, übertragen viele Unternehmen die lokale Lohnbuchhaltung an einen Dritten, oft einen Employer of Record, der vor Ort zum rechtlichen Arbeitgeber wird. Die Mehrwährungs-Lohnbuchhaltung übernimmt dann der Anbieter. Dieser Weg ist real, kostet aber pro Person und deckt nicht alle Fälle ab: Abschnitt 7 vergleicht ihn mit den übrigen.
2. Ist das überhaupt erlaubt?
Ja, und die Antwort ist klarer, als allgemein angenommen wird. Artikel 323b Absatz 1 des Obligationenrechts sieht die Lohnzahlung in gesetzlicher Währung vor, doch diese Regel ist nicht zwingend: die Parteien können davon durch Vereinbarung abweichen, ebenso ein Ortsgebrauch. Das Bundesgericht hat es ohne Vorbehalt formuliert: « In einem dem schweizerischen Recht unterstellten Vertragsverhältnis (Art. 121 Abs. 1 IPRG) können die Parteien unbestreitbar vereinbaren, dass der Lohn in einer anderen Währung als dem Schweizer Franken gezahlt wird. »
Mit anderen Worten: die verwendete Währung ist an sich nicht das Problem. Ein Vertrag kann gültig einen Lohn in Euro, Dollar oder Pfund vorsehen. Geprüft wird, was die Mitarbeitenden tatsächlich erhalten und wie sich dieser Betrag zu zwei Massstäben verhält: dem anwendbaren Mindestlohn und der Entlöhnung vergleichbar gestellter Kolleginnen und Kollegen.
3. Warum musste ein Unternehmen dann 18'881 Franken zahlen?
Weil es seine Klausel in die falsche Richtung gebaut hatte. Der vom Bundesgericht am 15. Januar 2019 beurteilte Sachverhalt sollte jeder Personalabteilung bekannt sein, die eine Umrechnungsklausel erwägt.
Ein Schweizer Industrieunternehmen lässt im September 2011 einen Nachtrag zum Arbeitsvertrag unterzeichnen: Fällt der Schweizer Franken während drei aufeinanderfolgenden Monaten unter 1.30 pro Euro, wird der Lohn zu einem festen Kurs von 1.30 in Euro umgerechnet und auf ein Eurokonto überwiesen. Die Klausel gilt von Januar 2012 bis Juni 2015, also 42 Monate. Da der Franken in dieser Zeit deutlich stärker als 1.30 war, erhalten die betroffenen Mitarbeitenden zurückgerechnet weniger als ihre in Franken bezahlten Kolleginnen und Kollegen.
Was das Bundesgericht festgehalten hat
Streitig war nicht die Zulässigkeit der Zahlung in Euro, die ausdrücklich bejaht wurde. Streitig war, in den Worten des Urteils, « ob es dem Abkommen vom 21. Juni 1999 über die Freizügigkeit widerspricht, Grenzgängern einen Lohn in Euro auszurichten, der sich als geringer erweist als die in Schweizer Franken ausgerichtete Entlöhnung der in der Schweiz wohnhaften Arbeitnehmenden ».
Die Antwort fiel bejahend aus, gestützt auf Artikel 9 des Anhangs I zum Freizügigkeitsabkommen. Die Begründung lohnt eine Schritt-für-Schritt-Lektüre, denn sie reicht weit über den beurteilten Fall hinaus:
| Schritt der Begründung | Was das für einen Arbeitgeber bedeutet |
|---|---|
| Das Abkommen verbietet unmittelbare und mittelbare Diskriminierung. Die erste knüpft an die Staatsangehörigkeit an, die zweite erreicht dasselbe Ergebnis « durch Anwendung anderer Kriterien ». | Ein scheinbar neutrales Kriterium — der Wohnsitz, das Zielkonto, die Währung — genügt, um die Klausel in den Anwendungsbereich des Verbots zu bringen. |
| Artikel 9 Absätze 1 und 4 des Anhangs I ist « hinreichend bestimmt und klar, um unmittelbar anwendbar zu sein ». | Die Mitarbeitenden können sich vor dem Zivilgericht darauf berufen, ohne dass eine Umsetzung ins Landesrecht nötig wäre. |
| Die Arbeitgeberin « legte nicht dar, geprüft zu haben, ob andere nicht diskriminierende Massnahmen in Betracht kamen ». | Die Verhältnismässigkeitsprüfung geht mangels Suche nach einer Alternative verloren. Die verworfenen Optionen zu dokumentieren ist keine Formalität: genau das hat der Arbeitgeberin in diesem Fall gefehlt. |
| Der Nachtrag ist im Sinne von Artikel 9 Absatz 4 des Anhangs I nichtig. | Die Klausel entfaltet keine Wirkung, und die Lohndifferenz ist rückwirkend für die gesamte Anwendungsdauer geschuldet, innerhalb der Verjährungsfrist von 5 Jahren für Lohnforderungen (Art. 128 Ziff. 3 OR). |
| Da die Diskriminierungsverbote zwingend sind, konnten die Mitarbeitenden « auf die aus diesem Abkommen fliessenden Rechte nicht verzichten » (Artikel 341 des Obligationenrechts). | Die Unterschrift ist kein Verzicht. Der unterzeichnete Nachtrag dokumentiert die strittige Klausel, statt sie zu immunisieren. |
Das Unternehmen wurde verurteilt, allein dieser einen Person 18'881 Franken zu zahlen, « als Lohndifferenz für den in Euro zum Wechselkurs von 1.30 bezahlten Lohn ». Ein Branchenschiedsgericht hatte bereits im September 2012 dieselbe Verletzung festgestellt und die Nichtigkeit vergleichbarer Nachträge festgehalten.
4. Wo arbeiten Ihre Mitarbeitenden wirklich?
Das ist die Frage, die alles Weitere bestimmt, und sie betrifft den Ort der Arbeitsleistung, nicht den Wohnsitz und nicht die Staatsangehörigkeit. Der Grundsatz der Einheitlichkeit der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit, über das Freizügigkeitsabkommen auf die Schweiz anwendbar, unterstellt eine Person jeweils den Rechtsvorschriften eines einzigen Staates — grundsätzlich desjenigen, in dem sie ihre Tätigkeit ausübt.
| Situation | Sozialversicherungsrechtliche Unterstellung | Währung von Lohn und Beiträgen | Anwendbarer Mindestlohn |
|---|---|---|---|
| Die Person kommt in die Schweiz zur Arbeit (wohnhaft oder Grenzgängerin) | Schweiz | Franken. AHV, IV und EO (10,6 % des Lohns, davon 5,3 % zulasten der Mitarbeitenden), Arbeitslosenversicherung (2,2 % bis 148'200 CHF Jahreslohn, davon 1,1 % zulasten der Mitarbeitenden) und BVG werden in Franken auf der Schweizer Lohnabrechnung abgezogen, unabhängig von der Währung des Nettolohns | Kantonaler Mindestlohn, sofern vorhanden, beurteilt nach der Umrechnung |
| Die Person arbeitet in erheblichem Umfang aus dem Ausland | Wohnsitzstaat, jenseits der Schwellen | Lokale Währung, nach den lokalen Lohnvorschriften | Gesetzlicher Mindestlohn des Wohnsitzstaates, in dessen Währung |
| Die Person ist aus der Schweiz entsandt für einen befristeten Einsatz | Schweiz bleibt bestehen, mit A1-Bescheinigung, grundsätzlich für 24 Monate | Grundsätzlich Franken | Vorschriften des Einsatzstaates über den harten Kern der Arbeitsbedingungen |
Beim Homeoffice aus einem Nachbarstaat sind zwei unterschiedliche Schwellen parallel zu überwachen, und sie decken sich nicht: eine steuerliche und eine sozialversicherungsrechtliche Grenze, wobei die zweite höher liegt. Sozialversicherungsrechtlich ändert laut Bundesamt für Sozialversicherungen eine Telearbeit unter 25 % der Arbeitszeit nichts an der Unterstellung; zwischen 25 % und 49,9 % erlaubt es das seit dem 1. Juli 2023 (für Italien seit dem 1. Januar 2024) anwendbare multilaterale Übereinkommen, in der Schweiz versichert zu bleiben, sofern der Arbeitgeber bei seiner Ausgleichskasse eine A1-Bescheinigung beantragt. Wir stellen diese beiden Schwellen, mit den aufzubewahrenden Belegen und der Rolle der A1-Bescheinigung, in unserem Leitfaden zum grenzüberschreitenden Homeoffice dar. Wird die soziale Schwelle überschritten, wechselt die Person in das Regime ihres Wohnsitzstaates: der Schweizer Arbeitgeber muss sich dort anmelden und die Beiträge in der lokalen Währung entrichten — und erst dort wird die Währung zur Pflicht statt zur Wahl.
5. Welcher Mindestlohn, und zu welchem Kurs?
Einen eidgenössischen Mindestlohn gibt es nicht. Fünf Kantone haben einen eingeführt, und er gilt unabhängig von der Währung, in der der Lohn ausbezahlt wird: erreichen muss die Schwelle der Gegenwert in Franken im Zeitpunkt der Zahlung. Bei 40 Stunden pro Woche, also 173.3 Stunden pro Monat, entspricht der Genfer Mindestlohn von 24.59 Franken pro Stunde rund 4'261 Franken brutto pro Monat.
| Kanton | Mindeststundenlohn 2026 | Bemerkung |
|---|---|---|
| Genf | 24.59 CHF | Der höchste der Schweiz. Vom Kanton veröffentlicht, jährlich indexiert |
| Basel-Stadt | 22.20 CHF | Ferien- und Feiertagsentschädigungen zusätzlich zum Stundenlohn |
| Jura | 21.40 CHF | — |
| Neuenburg | 21.35 CHF | — |
| Tessin | 20.00 bis 20.50 CHF | Je nach Branche unterschiedlich; Entschädigungen zusätzlich |
Erhebung vom 16. September 2026. Der Genfer Betrag ist der von der Republik und dem Kanton Genf veröffentlichte; die vier übrigen sind Richtwerte und vor jeder Anwendung beim betreffenden Kanton zu bestätigen, da diese Schwellen jährlich indexiert werden. Ein Gesamtarbeitsvertrag kann zudem einen über dem kantonalen Mindestlohn liegenden Branchenmindestlohn vorschreiben.
Der massgebende Kurs und das Datum
Die Schwelle wird bei jeder Lohnzahlung anhand des tatsächlich ausbezahlten Betrags beurteilt. Drei praktische Folgen:
- ein im Januar konformer Lohn kann es im Oktober nicht mehr sein, wenn die Zahlungswährung an Wert verloren hat, ohne dass sich am Vertrag etwas geändert hätte;
- ein öffentlicher und überprüfbarer Referenzkurs, auf der Lohnabrechnung dokumentiert, erspart die nachträgliche Rechtfertigung eines internen Kurses;
- die Kontrolle obliegt dem Arbeitgeber aus eigenem Antrieb. Es gibt keinen Mechanismus, der bei Unterschreiten der Schwelle automatisch warnt.
Rechner: erreicht der in Fremdwährung ausbezahlte Lohn den kantonalen Mindestlohn?
Dieser Rechner rechnet den ausbezahlten Betrag um, führt ihn auf einen Stundenlohn in Franken zurück und vergleicht ihn mit der kantonalen Schwelle. Vor allem zeigt er den Kipppunkt: den Kurs, ab dem die Schwelle nicht mehr erreicht wird und den es daher zu überwachen gilt.
Der Kurs wird in Franken je Einheit der Zahlungswährung ausgedrückt: 0.95 bedeutet, dass eine Einheit dieser Währung 0.95 CHF wert ist. Dies ist die Konvention beider Rechner auf dieser Seite. Die Berechnung betrifft den dem kantonalen Mindestlohn unterstellten Bruttolohn; Ferien- und Feiertagsentschädigungen, die in einzelnen Kantonen zum Stundenlohn hinzukommen, sind nicht berücksichtigt. Dieses Werkzeug ist indikativ: es ersetzt die Prüfung der geltenden Schwelle beim Kanton nicht und stellt keine rechtliche Beurteilung der Konformität des Lohns dar.
6. Wer trägt das Währungsrisiko?
Jede grenzüberschreitende Lohnzahlung beantwortet diese Frage stillschweigend, und die Antwort lässt sich an der Vertragsredaktion ablesen.
| Vertragsredaktion | Wer die Schwankung trägt | Beurteilung |
|---|---|---|
| Betrag in Franken festgelegt, Umrechnung zum Tageskurs | Die Mitarbeitenden, die einen variablen Betrag in ihrer Währung erhalten | Die häufigste und am besten vertretbare Lage: die Schuld des Arbeitgebers bleibt konstant |
| Betrag in der Fremdwährung festgelegt | Der Arbeitgeber, dessen Kosten in Franken schwanken | Vollkommen zulässig, doch die Lohnsumme wird kursabhängig |
| Betrag in Franken festgelegt, Umrechnung zu einem fixierten Vertragskurs | Wen der Kurs benachteiligt — in der Praxis die Mitarbeitenden | Sanktioniertes Modell, sobald es zu einer geringeren Entlöhnung führt |
| Indexierungsklausel, die den Lohn bei Kursbewegungen kürzt | Die Mitarbeitenden | Überwälzt ein wirtschaftliches Risiko, das dem Unternehmen obliegt |
Die dritte und die vierte Zeile sind die beiden zu vermeidenden Modelle. Sie teilen denselben Mangel: sie lassen die Arbeitnehmenden eine Schwankung tragen, die zum Betrieb des Unternehmens gehört, und sie erzeugen über die Zeit eine messbare Differenz zu den in Franken bezahlten Kolleginnen und Kollegen. Genau diese Differenz wird ein Gericht beziffern.
Rechner: die Differenz zu einer in Franken bezahlten Person
Dieses zweite Werkzeug beziffert das Risiko. Es vergleicht, was jemand erhält, dessen Lohn zu einem fixierten Vertragskurs umgerechnet wird, mit dem, was er zum realen Kurs erhalten hätte, und kumuliert die Differenz über die Anwendungsdauer der Klausel — genau die Logik der 18'881 Franken aus dem Urteil von 2019.
Beide Kurse werden wie im vorangehenden Rechner in Franken je Einheit Fremdwährung ausgedrückt: ein fixierter Vertragskurs von 1.30 bei einem Marktkurs von 1.05 bedeutet, dass die Person weniger Fremdwährung erhält, als der reale Kurs ihr geben würde. Die Berechnung isoliert die Wirkung des fixierten Kurses, je betroffene Person. Sie greift keinem Gerichtsentscheid vor: sie beziffert die Differenz, die eine solche Klausel erzeugt und die die Grundlage einer allfälligen Nachforderung bildet. Multiplizieren Sie mit der Zahl der Personen, die derselben Klausel unterstehen, um das Risiko des Unternehmens zu erhalten.
7. Die vier möglichen Modelle und ihre Folgen
Das Bundesgericht wirft der Arbeitgeberin vor, keine anderen Massnahmen geprüft zu haben. Hier sind die vorhandenen, mit ihren Kosten und dem, was sie lösen.
| Modell | Was der Arbeitgeber tut | Was es löst | Was es nicht löst |
|---|---|---|---|
| 1. Franken auf eine Schweizer IBAN im Namen der Mitarbeitenden zahlen | Nichts Besonderes: eine Überweisung in Franken auf eine Schweizer IBAN, wie für alle anderen Mitarbeitenden | Keine Umrechnungsklausel zu redigieren, keine Ungleichbehandlung, Schwelle direkt am ausbezahlten Betrag beurteilt. Die Mitarbeitenden rechnen um, wann sie wollen | Entbindet nicht von der Prüfung der Unterstellung, wenn die Arbeit im Ausland geleistet wird |
| 2. Umrechnung durch den Arbeitgeber zu einem öffentlichen Referenzkurs | Rechnet zum Tageskurs um, auf der Abrechnung dokumentiert, ohne Unterscheidung nach Wohnsitz | Die Mitarbeitenden erhalten ihre Währung ohne eigenes Zutun; der Kurs ist überprüfbar | Setzt voraus, den kantonalen Mindestlohn bei jeder Zahlung zu prüfen und den verwendeten Kurs nachvollziehbar zu halten |
| 3. Eine lokale Gesellschaft gründen | Beschäftigt direkt im Wohnsitzstaat | Vollständige lokale Konformität, einschliesslich Mindestlohn und Beiträgen | Gründungskosten und -dauer, dauernde Buchführungs- und Steuerpflichten. Unverhältnismässig unter einer Handvoll Mitarbeitenden |
| 4. Einen Employer of Record beiziehen | Überträgt die rechtliche Arbeitgeberstellung an einen vor Ort ansässigen Anbieter | Lohnbuchhaltung, Beiträge und lokaler Mindestlohn übernommen, ohne Gesellschaftsgründung | Kosten pro Person und Monat; Abhängigkeit vom Anbieter; gegenstandslos für Mitarbeitende, die in die Schweiz zur Arbeit kommen |
Die Modelle 3 und 4 beantworten eine Frage der Unterstellung: sie drängen sich auf, wenn die Person einem ausländischen Regime untersteht. Die Modelle 1 und 2 beantworten eine Frage der Währung: sie betreffen Mitarbeitende, die der Schweizer Lohnbuchhaltung unterstellt bleiben. Die beiden zu verwechseln führt entweder dazu, eine nicht benötigte Gesellschaft zu gründen, oder dazu, jemanden in einem Regime zu belassen, das nicht mehr das seine ist.
Warum das erste Modell das nüchternste ist
Es verdient einen Moment, denn es wird oft aus Unkenntnis verworfen. Das historische Hindernis war praktischer Natur: wer ausserhalb der Schweiz wohnte, erhielt nicht ohne Weiteres eine Schweizer IBAN auf den eigenen Namen, oder bezahlte teuer dafür. Das ist keine Fatalität mehr: ibani, ein Finanzintermediär und keine Bank, stellt eine persönliche Schweizer IBAN auf den Namen der Mitarbeitenden aus, auf die der Arbeitgeber Franken überweist wie für alle anderen — ohne Eröffnung eines Bankkontos, ohne Karte und ohne Kredit. Die Umrechnung in Euro und deren Zeitpunkt liegen anschliessend bei den Mitarbeitenden.
Sind die Mitarbeitenden der Schweizer Lohnbuchhaltung unterstellt, liegt der Vorteil für den Arbeitgeber nicht im Tarif, sondern im Vertraglichen und Operativen: es gibt keine Umrechnungsklausel mehr im Vertrag, also keinen Kurs zu verhandeln, keine Ungleichbehandlung auf diesem Feld zu rechtfertigen und keine Mindestlohnschwelle bei jeder Kursbewegung neu zu berechnen. Die Lohnbuchhaltung bleibt in einer einzigen Währung. Dieses Modell entbindet hingegen weder von der Prüfung der Unterstellung noch von der Kontrolle des anwendbaren Mindestlohns, wenn die Arbeit im Ausland geleistet wird. Unsere Unternehmensseite erläutert die Funktionsweise, und der Leitfaden zur Zahlung ausländischer Lieferanten behandelt den nicht lohnbezogenen Teil. Zum besonderen Fall der Grenzgängerinnen und Grenzgänger, mit eigenen Regeln zu Bewilligung und Quellensteuer, siehe unsere Arbeitgeber-Checkliste.
8. Die HR-Checkliste zur Konformität
Vor der Einführung einer Zahlung in Fremdwährung durchzugehen und bei jeder Änderung der Situation einer Person erneut aufzunehmen.
- Den Ort der Arbeitsleistung bestimmen, nicht den Wohnsitz. Er bestimmt die Unterstellung und den anwendbaren Mindestlohn.
- Den Anteil der aus dem Ausland geleisteten Arbeit messen und mit der steuerlichen und der sozialversicherungsrechtlichen Schwelle vergleichen, die sich nicht decken.
- Prüfen, ob ein Gesamtarbeitsvertrag anwendbar ist: er kann einen über dem kantonalen liegenden Branchenmindestlohn vorschreiben und eigene Regeln zur Zahlungswährung enthalten.
- Den Lohn im Vertrag in Franken festhalten, wenn die Person der Schweizer Lohnbuchhaltung untersteht, und die Zahlungswährung als Zahlungsmodalität behandeln, nicht als Klausel zur Lohnfestsetzung.
- Ungünstige fixierte Vertragskurse verbannen sowie Indexierungsklauseln, die die Entlöhnung nach dem Kurs kürzen. Ein fixierter Kurs zugunsten der Mitarbeitenden stellt nicht dasselbe Problem.
- Für alle dieselbe Regel anwenden, unabhängig vom Wohnsitz: die Ungleichbehandlung begründet die mittelbare Diskriminierung, nicht die Umrechnung.
- Den verwendeten Kurs dokumentieren, auf der Lohnabrechnung, und die Quelle des Kurses während 10 Jahren aufbewahren, der Aufbewahrungsfrist für Buchungsbelege (Art. 958f OR).
- Die Mindestlohnschwelle bei jeder Lohnzahlung prüfen, nicht nur bei der Anstellung.
- Die geprüften Alternativen und die Gründe ihrer Ablehnung festhalten: genau dieses Dokument hat das Gericht bei der Arbeitgeberin vermisst.
9. Häufige Fragen
Methodik und Quellen: die Zulässigkeit der Lohnzahlung in einer anderen Währung, die Nichtigkeit des strittigen Nachtrags, der feste Kurs von 1.30, der Betrag von 18'881 Franken, die Begründung zur mittelbaren Diskriminierung, das Erfordernis der Prüfung anderer nicht diskriminierender Massnahmen und die Unmöglichkeit eines Verzichts stammen sämtlich aus dem Urteil des Bundesgerichts 4A_215/2017 vom 15. Januar 2019, das seinerseits auf das gleichentags ergangene Urteil 4A_230/2018 verweist. Zitiert werden Artikel 323b Absatz 1 und Artikel 341 des Obligationenrechts (OR, SR 220), Artikel 121 Absatz 1 des Bundesgesetzes über das Internationale Privatrecht (IPRG, SR 291) sowie Artikel 9 des Anhangs I zum Freizügigkeitsabkommen (FZA, SR 0.142.112.681). Der Grundsatz der Einheitlichkeit der anwendbaren Rechtsvorschriften ist jener der Verordnung (EG) Nr. 883/2004, über das FZA auf die Schweiz anwendbar. Die Beitragssätze für AHV, IV und EO (10,6 %) stammen aus dem Merkblatt AHV 2.01, Stand am 1. Januar 2026, jene der Arbeitslosenversicherung (2,2 % bis 148'200 Franken) aus dem Merkblatt 2.08; die Telearbeitsschwellen (25 % und 49,9 %) und die Entsendedauer (grundsätzlich 24 Monate) aus der Seite Telearbeit des Bundesamts für Sozialversicherungen, abgerufen am 30. September 2026. Die Verjährungsfrist von 5 Jahren und die Aufbewahrung der Buchungsbelege während 10 Jahren ergeben sich aus Artikel 128 Ziffer 3 und 958f des Obligationenrechts. Der Genfer Mindestlohn von 24.59 Franken pro Stunde für 2026 ist der von der Republik und dem Kanton Genf veröffentlichte. Die Beträge für Basel-Stadt, Jura, Neuenburg und Tessin wurden am 16. September 2026 aus übereinstimmenden Sekundärquellen erhoben und sind beim betreffenden Kanton zu bestätigen: sie werden jährlich indexiert, und in Basel-Stadt wie im Tessin kommen Ferien- und Feiertagsentschädigungen zum Stundenlohn hinzu.
Löhne in Franken, Mitarbeitende im Euroraum?
Unser Team in Genf stellt eine persönliche Schweizer IBAN für Mitarbeitende Schweizer Unternehmen bereit, die in einer anderen Währung leben: der Arbeitgeber überweist seine Franken wie für alle anderen, die Lohnbuchhaltung bleibt in Franken. ibani übernimmt weder die Lohnbuchhaltung noch die Arbeitgeberstellung. Ein Finanzintermediär, der für seine Tätigkeit geprüft wird und der SO-FIT (SRO) angeschlossen ist.
Wir sind von Montag bis Freitag per E-Mail oder Telefon für Sie da.
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